Zwei Jahre als Ortschaftsrätin – ein ehrliches Zwischenfazit

Vor zwei Jahren habe ich erstmals für den Ortschaftsrat Graupa kandidiert. Mein Wahlkampfmotto lautete damals „Mehr Miteinander“. Mit den meisten Stimmen gewählt zu werden, war für mich ein großer Vertrauensbeweis und zugleich der Auftrag, die Versprechen aus meinem Wahlkampf mit Leben zu füllen.

Nach zwei Jahren und 14 Sitzungen fällt meine Bilanz gemischt aus. Aus einigen Ideen wurden konkrete Projekte. Gleichzeitig habe ich gelernt, dass kommunalpolitische Arbeit nicht immer so verläuft, wie man es sich erhofft. Sie kann mitunter auch ernüchternd sein.

Umso mehr freue ich mich über die Projekte, bei denen aus Ideen tatsächlich sichtbare Ergebnisse geworden sind.

Dazu gehört die Projektgruppe „Jugend“, die gemeinsam mit dem Ortschaftsrat Birkwitz-Pratzschwitz Jugendliche stärker in den Fokus rücken soll.

Ein weiteres Projekt ist die Graupaer Pine-Figur, die am 26. Juni eingeweiht wird. Die Idee habe ich in den Ortschaftsrat eingebracht und ihre Umsetzung über viele Monate hinweg federführend mitgestaltet. Besonders freut mich, dass wir Kinder aktiv eingebunden haben und viele Unterstützer für die Umsetzung des Projekts gewinnen konnten.

Der Ortschaftsrat befasst sich mit zahlreichen Themen des kommunalen Alltags – von Bebauungsplänen über das Ortschaftsratsbudget bis hin zu Infrastrukturfragen und der Partnerschaft mit Baienfurt.

Neben den Sitzungen kamen Treffen mit den örtlichen Vereinen, ein Bürgerforum, ein Ortsrundgang sowie zahlreiche Termine im Rahmen des Jugendprojekts und der Graupaer Pine-Figur hinzu.

Einen großen Teil meiner ehrenamtlichen Zeit investiere ich seit einem Jahr in das Projekt „Neues Ortszentrum Graupa“, welches ich nicht als Ortschaftsrätin, sondern als Bürgerin leite. Gemeinsam mit weiteren engagierten Graupaern wurden Konzepte für ein neues Ortszentrum entwickelt – mit einem zentralen, multifunktionalen und bedarfsgerechten Mehrzweckgebäude, Begegnungsräumen für die Jugend sowie der Aufwertung des zentralen Parkplatzes und des renaturierten Borsbergbadgeländes. Der Ortschaftsrat hat eine Unterstützungserklärung für das Projektvorhaben erteilt.

Ebenso unterstütze ich die Initiative des TSV Graupa für den Bau eines Soccerplatzes. Gerade für Kinder und Jugendliche braucht es attraktive Angebote, Treffpunkte und Orte, an denen sie ihre Freizeit selbstbestimmt verbringen können. Das Thema „Bolzplatz“ wird seit Jahren auch im Ortschaftsrat diskutiert. Nun liegt ein konkreter Lösungsvorschlag vor.

Ein wichtiger Bestandteil meiner Tätigkeit als Ortschaftsrätin ist der Austausch mit den Bürgerinnen und Bürgern. Viele Fragen, Hinweise und Anregungen werden sowohl in den Sitzungen als auch im persönlichen Gespräch an mich herangetragen. Diese Impulse nehme ich gern auf und lasse sie in meine Arbeit einfließen.

Gleichzeitig wünsche ich mir, dass noch mehr Bürgerinnen und Bürger an den öffentlichen Ortschaftsratssitzungen teilnehmen. Dazu gehört für mich auch eine offene und einladende Willkommenskultur im Ortschaftsrat.

Was mich immer wieder beschäftigt, ist die Frage, wie intensiv wir Themen gemeinsam beraten. In den Sitzungen informiert der Ortsvorsteher regelmäßig unter anderem über die Arbeit der Ortschaftsrats-Projektgruppen und aktuelle Entwicklungen. Das ist wichtig und hilfreich. Gleichzeitig wünsche ich mir, dass Projektgruppen ihre Arbeit häufiger selbst vorstellen und für Fragen, Erläuterungen und den fachlichen Austausch zur Verfügung stehen. Das wäre aus meiner Sicht auch eine sichtbare Form der Wertschätzung gegenüber den Menschen, die sich in den Projektgruppen ehrenamtlich engagieren.

Alle Mitglieder des Ortschaftsrates sind mit Ideen, Zielen und Projekten zur Wahl angetreten. Deshalb erwarte ich, dass die damit verbundenen Versprechen auch während der Legislaturperiode im Blick bleiben und weiterverfolgt werden. Hier sehe ich noch Potenzial, denn gute Ideen sollten nicht nur vorgestellt, sondern auch umgesetzt werden.

Dabei ist für mich nicht entscheidend, von wem eine Idee kommt oder welcher politischen Richtung jemand angehört. Wichtig ist allein, ob sie Graupa voranbringen und den Menschen vor Ort zugutekommen.

Am Sitzungsablauf stört mich, dass Diskussionen häufig unter einem gewissen Zeitdruck stehen. Oft wird bereits zu Beginn einer Sitzung sehr deutlich gemacht, dass sie nicht zu lange dauern soll. Mir geht es dabei nicht darum, längere Sitzungen zu haben, sondern darum, Themen die notwendige Beratungstiefe zu geben, um gute Entscheidungen treffen zu können.

Eine wichtige Erkenntnis aus den vergangenen zwei Jahren ist für mich, dass gute Lösungen nicht immer am fehlenden Willen scheitern. Oft sind es rechtliche, strukturelle oder finanzielle Rahmenbedingungen, die Veränderungen erschweren oder verzögern. Das hat mich gelehrt, genauer nachzufragen, Zusammenhänge besser zu verstehen und geduldig dranzubleiben.

Trotz mancher Ernüchterung überwiegt für mich die Freude, gemeinsam mit anderen etwas für Graupa zu bewegen. Besonders dankbar bin ich für die Menschen, die ihre Ideen einbringen, mitdenken, mit anpacken und Verantwortung übernehmen. Mit ihnen möchte ich auch künftig im Gespräch bleiben und gemeinsam daran arbeiten, unseren Heimatort weiter zu gestalten.

Die nächste Sitzung des Ortschaftsrates findet am 25.08.26 nach der Sommerpause statt.

Mehr Miteinander – davon bin ich heute überzeugter denn je.

Ulrike Gruseck
Ortschaftsrätin Graupa
Mitglied Freie Wähler – Wir für Pirna e. V.

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