Nur Wasser, der Horizont – und kein Zurück
Warum macht man das? Was treibt einen an? Wie reagiert man unter diesem Druck – körperlich wie mental? Und vielleicht das Entscheidende: Was nimmt man daraus fürs Leben mit?
32 Stunden auf dem Wasser. Wind und Wellen, Dunkelheit, Müdigkeit und immer wieder der nächste Ruderschlag. Um einen herum nur Wasser und der Horizont.
Vielleicht war es genau das: das Ausbrechen aus dem täglichen „Normalen“, das Verlassen der Komfortzone und die eigenen Grenzen zu spüren. Ein Zurück auf hoher See, ohne Ufer gibt es nicht.
Wir sind 172 Kilometer von England nach Belgien in 32 Stunden nonstop durchgerudert. Durchschnittlich 5,3 km/h, bei bis zu 3 Meter hohen Wellen. Dafür waren rund 42.000 Ruderschläge nötig, wo bis zu 20.000 Kilokalorien verbrannt wurden. Eine monatelange Trainingsvorbereitung war nötig.
Aber Zahlen beschreiben kaum, was diese 32 Stunden bedeutet haben. Durchhalten, Vertrauen, Kameradschaft – immer im Focus ein „WIR“.
Wir, das sind zwei Frauen und acht Männer unseres Pirnaer Rudervereins. Mit an Bord waren außerdem zwei erfahrene Skipper, die uns mit ihrer Erfahrung zur Seite standen. Zehn Menschen an den Rudern, jeder mit seinen Stärken und Schwächen, aber alle mit einem gemeinsamen Ziel.
Ein großartiges Team, ein Wahnsinnserlebnis – und ich bin unheimlich stolz auf das, was wir gemeinsam erreicht haben. Dass es zudem wohl noch die schnellste Ärmelkanal-Überquerung gewesen sein soll, ist fast nur eine Randnotiz.
Man wächst auch menschlich an seinen Zielen.
Kameradschaft und grenzenloses Vertrauen waren die Triebfedern unseres Erfolgs. Dazu gehört, sich selbst auch mal ein Stück zurücknehmen zu können, nicht der stärkste, der schwächste bestimmt die Pace. Auch darin liegt Stärke.
Und genau dieses „WIR“ endet für mich nicht am Ufer.
Auch im Pirnaer Stadtrat sollte es darum gehen, Ziele zum Wohle unserer Stadt zu erreichen. Parteienklüngel, politische „Machtspiele“, gar Beschimpfungen, Anfeindungen und Rechthaberei in Wort und Geste, wie wir es leider in vielen Sitzungen erleben mussten, gehören da einfach nicht hin.
Man wird selbst nicht besser, indem man den anderen schlechter macht.
Politik und Sport, ein ungleiches Paar? Ja leider, der Sport ist fordernd aber unheimlich ehrlich.
Im Boot bringt es niemanden weiter, den anderen kleinzumachen oder unbedingt recht behalten zu wollen. Man muss einander vertrauen, die Stärken des anderen nutzen und das Ziel als „Wir“ im Blick behalten.
Vielleicht liegt genau darin das Geheimnis: Große Ziele erreicht man nur gemeinsam und macht auch am meisten Spaß 😊
In diesem Sinne – bis zum nächsten Ausschuss oder Stadtrat.
Euer Ralf Böhmer